Glaube und Gemeinschaft

Das Heilige Jahr endet

Pfarrverband Waldkirchen am 06.01.2026

Am Dreikönigstag endet das Heilige Jahr "Pilger der Hoffnung". Die Pfarrkirche Waldkirchen war dabei eine "Jubiläumskirche". Papst Franziskus war es wichtig, dass der mit dem Heiligen Jahr verbundene Ablass möglichst vielen Menschen ermöglicht wird und hat deshalb verfügt, dass es auf der ganzen Welt solche "Jubiläumskirchen" gibt. So hat heute Vormittag nicht nur in Rom ein besonders Jahr geendet, sondern auch in Waldkirchen. Was das Fest der Erscheinung des Herrn mit der Hoffnung zu tun hat, wurde in der Predigt versucht zu entfalten. Hier die Gedanken von Pfarrer Michael Nirschl zum Nachlesen:

“Wir fei­ern heu­te das Fest der Erschei­nung des Herrn. Weih­nach­ten bleibt nicht im Ver­bor­ge­nen, es wird ein Gesche­hen für die gan­ze Welt. Das Suchen und das Ankom­men der Stern­deu­ter mar­kiert einen groß­ar­ti­gen Anfang. Zugleich ste­hen wir heu­te auch am Ende eines beson­de­ren Weges: Das Hei­li­ge Jahr ​„Pil­ger der Hoff­nung“ endet. Papst Leo fei­ert zeit­gleich im Peters­dom Got­tes­dienst und wird dann die Hei­li­ge Pfor­te schlie­ßen. Unse­re Pfarr­kir­che war in die­ser Zeit eine Jubi­lä­ums­kir­che – ein Ort, zu dem Men­schen gekom­men sind mit ihrer Sehn­sucht und ihrer Hoff­nung nach Ver­söh­nung. Men­schen sind vor allem in den Beicht­stuhl gekom­men, um Got­tes Barm­her­zig­keit auf beson­de­re Wei­se zu erfah­ren.

Anfang und Ende wer­den umklam­mert von der Hoff­nung. Der Drei­kö­nigs­tag erzählt uns von Men­schen, die sich auf den Weg gemacht haben: von den Wei­sen aus dem Mor­gen­land. Sie waren kei­ne from­men Insi­der, kei­ne reli­giö­sen Pro­fis. Nichts von alle­dem. Sie kann­ten wohl weder den Gott Abra­hams, noch sei­ne Ver­hei­ßung vom kom­men­den Mes­si­as. Sie hat­ten kei­nen Plan. Sie hat­ten kei­nen siche­ren Weg ins Navi ein­ge­ge­ben, konn­ten kei­nen Beweis erbrin­gen, hat­ten kei­ne Garan­tie. Sie hat­ten nur einen Stern. Das reich­te, um auf­zu­bre­chen.

Das ist Hoff­nung. Nicht die Gewiss­heit, dass alles gut aus­geht. Son­dern das Ver­trau­en, dass es Sinn macht, sich auf den Weg zu machen. Die­se Wei­sen sind Pil­ger der Hoff­nung – am Anfang unbe­wusst, nach der Begeg­nung mit Jesus aus gan­zem Her­zen. Die­ser Pil­ger­weg der Hoff­nung war sehr span­nend. Sie erleb­ten sogar Umwe­ge: Jeru­sa­lem, Hero­des, Ver­wir­rung, Bedro­hung. Der Stern ver­schwand zeit­wei­se. Auch das gehört dazu: Hoff­nung ist kein Schein­wer­fer, der alles aus­leuch­tet. Hoff­nung ist ein Zei­chen, das sagt: Geh wei­ter. Und dann sind sie ange­kom­men. Nicht in einem Palast. Nicht bei den Mäch­ti­gen. Son­dern in einer arm­se­li­gen Behau­sung an einer Krip­pe. Sie fan­den ein Kind: arm, ver­letz­lich, bedürf­tig. Kein könig­li­ches Rund­her­um, kein Hof­ze­re­mo­ni­ell, kein Blitz­licht­ge­wit­ter. Nie­mand konn­te ihnen sagen, was sie tun, wie sie reagie­ren sol­len. Die­se klu­gen Men­schen taten ganz ein­fach, was ihrem Her­zen ent­sprang: Sie fie­len nie­der und bete­ten an. Wohl des­halb, weil sie ver­stan­den haben: Hier an die­sem Ort, mit die­sem Kind beginnt Hoff­nung. Mit den Füßen sind sie in Bet­le­hem ange­kom­men, mit ihrem Her­zen bei Gott.

Hoff­nung endet nicht an der Krip­pe. Die Hoff­nung beginnt an der Krip­pe und wächst auf dem Weg. Gott beginnt klein, er möch­te sich fin­den las­sen, er lässt sich fin­den, Hoff­nung liebt die klei­nen Anfän­ge, Hoff­nung ist immer ein klei­ner Anfang. Damit endet heu­te das Hei­li­ge Jahr. Jetzt ist es vor­bei, All­tag kehrt wie­der ein. Meist ist es tat­säch­lich so, dass vie­le Initia­ti­ven schnell wie­der ver­blas­sen, sobald sie abge­schlos­sen sind. Das muss nicht sein. Das Evan­ge­li­um sagt es uns: Aus­drück­lich wird betont, dass die Stern­deu­ter auf einem ande­ren Weg heim­gin­gen. Nicht ein­fach so zurück, nicht so, wie es vor­her war. Die Begeg­nung mit Chris­tus ver­än­dert den Weg, erneu­ert den Lebens­weg. Die Stern­deu­ter sind von da an Hoff­nungs­men­schen gewe­sen: Ganz bewusst. Das Hei­li­ge Jahr endet des­halb auch nicht mit einem Punkt. Es endet mit einem Kom­ma. Es geht wei­ter! Hoff­nung endet nicht.

Gott ist erschie­nen vor aller Welt – nicht damit wir dort ein­fach nur kurz ste­hen blei­ben und stau­nen, son­dern damit wir ver­wan­delt wei­ter­ge­hen – als neue Men­schen, als Hoff­nungs­men­schen. Der Stern mag ver­blas­sen. Der Weg wird manch­mal müh­sam sein. Aber die Hoff­nung endet nicht. Sie beginnt an der Krip­pe. Und sie geht ihren Weg, Jesus geht mit uns: Wir blei­ben Pil­ger der Hoff­nung, wir sind mit den Hei­li­gen Köni­gen sogar Zeu­gen der Hoff­nung. Amen.”

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