Am Dreikönigstag endet das Heilige Jahr "Pilger der Hoffnung". Die Pfarrkirche Waldkirchen war dabei eine "Jubiläumskirche". Papst Franziskus war es wichtig, dass der mit dem Heiligen Jahr verbundene Ablass möglichst vielen Menschen ermöglicht wird und hat deshalb verfügt, dass es auf der ganzen Welt solche "Jubiläumskirchen" gibt. So hat heute Vormittag nicht nur in Rom ein besonders Jahr geendet, sondern auch in Waldkirchen. Was das Fest der Erscheinung des Herrn mit der Hoffnung zu tun hat, wurde in der Predigt versucht zu entfalten. Hier die Gedanken von Pfarrer Michael Nirschl zum Nachlesen:
“Wir feiern heute das Fest der Erscheinung des Herrn. Weihnachten bleibt nicht im Verborgenen, es wird ein Geschehen für die ganze Welt. Das Suchen und das Ankommen der Sterndeuter markiert einen großartigen Anfang. Zugleich stehen wir heute auch am Ende eines besonderen Weges: Das Heilige Jahr „Pilger der Hoffnung“ endet. Papst Leo feiert zeitgleich im Petersdom Gottesdienst und wird dann die Heilige Pforte schließen. Unsere Pfarrkirche war in dieser Zeit eine Jubiläumskirche – ein Ort, zu dem Menschen gekommen sind mit ihrer Sehnsucht und ihrer Hoffnung nach Versöhnung. Menschen sind vor allem in den Beichtstuhl gekommen, um Gottes Barmherzigkeit auf besondere Weise zu erfahren.
Anfang und Ende werden umklammert von der Hoffnung. Der Dreikönigstag erzählt uns von Menschen, die sich auf den Weg gemacht haben: von den Weisen aus dem Morgenland. Sie waren keine frommen Insider, keine religiösen Profis. Nichts von alledem. Sie kannten wohl weder den Gott Abrahams, noch seine Verheißung vom kommenden Messias. Sie hatten keinen Plan. Sie hatten keinen sicheren Weg ins Navi eingegeben, konnten keinen Beweis erbringen, hatten keine Garantie. Sie hatten nur einen Stern. Das reichte, um aufzubrechen.
Das ist Hoffnung. Nicht die Gewissheit, dass alles gut ausgeht. Sondern das Vertrauen, dass es Sinn macht, sich auf den Weg zu machen. Diese Weisen sind Pilger der Hoffnung – am Anfang unbewusst, nach der Begegnung mit Jesus aus ganzem Herzen. Dieser Pilgerweg der Hoffnung war sehr spannend. Sie erlebten sogar Umwege: Jerusalem, Herodes, Verwirrung, Bedrohung. Der Stern verschwand zeitweise. Auch das gehört dazu: Hoffnung ist kein Scheinwerfer, der alles ausleuchtet. Hoffnung ist ein Zeichen, das sagt: Geh weiter. Und dann sind sie angekommen. Nicht in einem Palast. Nicht bei den Mächtigen. Sondern in einer armseligen Behausung an einer Krippe. Sie fanden ein Kind: arm, verletzlich, bedürftig. Kein königliches Rundherum, kein Hofzeremoniell, kein Blitzlichtgewitter. Niemand konnte ihnen sagen, was sie tun, wie sie reagieren sollen. Diese klugen Menschen taten ganz einfach, was ihrem Herzen entsprang: Sie fielen nieder und beteten an. Wohl deshalb, weil sie verstanden haben: Hier an diesem Ort, mit diesem Kind beginnt Hoffnung. Mit den Füßen sind sie in Betlehem angekommen, mit ihrem Herzen bei Gott.
Hoffnung endet nicht an der Krippe. Die Hoffnung beginnt an der Krippe und wächst auf dem Weg. Gott beginnt klein, er möchte sich finden lassen, er lässt sich finden, Hoffnung liebt die kleinen Anfänge, Hoffnung ist immer ein kleiner Anfang. Damit endet heute das Heilige Jahr. Jetzt ist es vorbei, Alltag kehrt wieder ein. Meist ist es tatsächlich so, dass viele Initiativen schnell wieder verblassen, sobald sie abgeschlossen sind. Das muss nicht sein. Das Evangelium sagt es uns: Ausdrücklich wird betont, dass die Sterndeuter auf einem anderen Weg heimgingen. Nicht einfach so zurück, nicht so, wie es vorher war. Die Begegnung mit Christus verändert den Weg, erneuert den Lebensweg. Die Sterndeuter sind von da an Hoffnungsmenschen gewesen: Ganz bewusst. Das Heilige Jahr endet deshalb auch nicht mit einem Punkt. Es endet mit einem Komma. Es geht weiter! Hoffnung endet nicht.
Gott ist erschienen vor aller Welt – nicht damit wir dort einfach nur kurz stehen bleiben und staunen, sondern damit wir verwandelt weitergehen – als neue Menschen, als Hoffnungsmenschen. Der Stern mag verblassen. Der Weg wird manchmal mühsam sein. Aber die Hoffnung endet nicht. Sie beginnt an der Krippe. Und sie geht ihren Weg, Jesus geht mit uns: Wir bleiben Pilger der Hoffnung, wir sind mit den Heiligen Königen sogar Zeugen der Hoffnung. Amen.”



